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<title>Creatio ex nihilo</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Creatio ex nihilo</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Creatio ex nihilo</b> (<a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a>: <i>Schöpfung aus dem Nichts</i> oder <i>Schöpfung aus nichts</i>) bezeichnet die <a href="Erschaffung_der_Welt" class="mw-redirect" title="Erschaffung der Welt">Erschaffung der Welt</a> „voraussetzungslos“ aus dem <a href="Nichts" title="Nichts">Nichts</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Theologie">Theologie</h2></div>
<p>Der Begriff entstand in der <a href="Fr%C3%BChchristentum" class="mw-redirect" title="Frühchristentum">frühchristlichen</a> <a href="Theologie" title="Theologie">Theologie</a> (<a href="Tatian" title="Tatian">Tatian</a> und <a href="Theophilos_von_Antiochien" class="mw-redirect" title="Theophilos von Antiochien">Theophilos von Antiochien</a>) in Auseinandersetzung mit der <a href="Griechische_Philosophie" class="mw-redirect" title="Griechische Philosophie">griechischen Philosophie</a>. Diese setzte seit <a href="Melissos" title="Melissos">Melissos</a> einen ewigen und ungeordneten Stoff (<a href="Chaos" title="Chaos">Chaos</a>) voraus, da aus nichts unmöglich etwas werden kann („<a href="Liste_lateinischer_Phrasen/E#Ex_nihilo_nihil_fit." title="Liste lateinischer Phrasen/E">ex nihilo nihil fit</a>“).
</p><p>Aus <a href="Monotheistisch" class="mw-redirect" title="Monotheistisch">monotheistischer</a> Sicht ist <a href="Gott" title="Gott">Gott</a> die alleinige Ursache für die Erschaffung der Welt. Auch <a href="Universum" title="Universum">Raum</a> und <a href="Zeit" title="Zeit">Zeit</a> sind erst mit der Erschaffung einer außergöttlichen Wirklichkeit in Erscheinung getreten. Da Gott absolut überzeitlich, ohne jegliche Dauer ist bzw. lebt, kann man von ihm nicht aussagen, dass er „vor“ der <a href="Weltentstehung" class="mw-redirect" title="Weltentstehung">Weltentstehung</a> allein existierte, sondern „nur“, dass er sich „ohne“ Welt befand. Durch die Erschaffung aus Nichts ist jedes außergöttliche Seiende von Gott abhängig (vgl. <a href="Kontingenz_(Philosophie)" title="Kontingenz (Philosophie)">Kontingenz</a>).
</p><p>In der <a href="Sch%C3%B6pfungsgeschichte_(Priesterschrift)" title="Schöpfungsgeschichte (Priesterschrift)">Schöpfungsgeschichte</a> (<a href="1._Buch_Mose" class="mw-redirect" title="1. Buch Mose">Genesis</a> 1,1 ff.) heißt es: „Im Anfang schuf Gott <a href="Himmel_(Religion)" title="Himmel (Religion)">Himmel</a> und Erde“. Das hier verwendete hebräische Wort „bara“ (ברא) für „schaffen“ wird ausschließlich von der göttlichen Tätigkeit gebraucht. Die einzige Stelle im <a href="Altes_Testament" title="Altes Testament">alten Testament</a>, die explizit von einer „Schöpfung aus dem Nichts“ spricht, findet sich im (je nach Kanon <a href="Apokryphen" title="Apokryphen">apokryphen</a>) Buch <a href="2._Makkab%C3%A4er" class="mw-redirect" title="2. Makkabäer">2.&nbsp;Makkabäer</a> (7,28); dort heißt es: „Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.“
</p><p>Im <a href="Neues_Testament" title="Neues Testament">neuen Testament</a> der christlichen Bibel heißt es in <a href="Brief_an_die_Hebr%C3%A4er" title="Brief an die Hebräer">Hebräer</a> 11,3: „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“ In der christlichen theologischen Interpretation wird der Ursprung der gesamten außergöttlichen Wirklichkeit auf Gott selbst als alleinige Allursache (<a href="Causa_prima" class="mw-redirect" title="Causa prima">Causa prima</a>) zurückgeführt. Mit „Himmel und Erde“ ist die Gesamtheit aller außergöttlichen Dinge gemeint. Das Wort „<a href="In_principio" title="In principio">im Anfang</a>“ soll den absoluten Anfang aller Dinge und der Weltzeit ausdrücken.
</p><p>Der jüdische Philosoph <a href="Maimonides" title="Maimonides">Maimonides</a> (1138–1204) verglich in seinem Hauptwerk <i><a href="F%C3%BChrer_der_Unschl%C3%BCssigen" title="Führer der Unschlüssigen">Führer der Unschlüssigen</a></i> die Schöpfung aus dem Nichts, die in der <a href="Tora" title="Tora">Tora</a> vertreten wird, mit der Theorie von <a href="Platon" title="Platon">Plato</a> und anderen griechischen Philosophen, wonach Gott die Welt aus präexistenter <a href="Materie" title="Materie">Materie</a> erschaffen habe, sowie der Theorie von <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a>, wonach die Welt ewig sei. Andererseits bestreitet der Alttestamentler <a href="Oswald_Loretz" title="Oswald Loretz">Oswald Loretz</a> die Annahme, eine <i>Creatio ex nihilo</i> sei schon im Buch Genesis (1,1–2,4a) enthalten.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <a href="Bibel" title="Bibel">biblische</a> Darstellung unterscheidet sich wesentlich von anderen altorientalischen Weltentstehungs-Lehren (<a href="Kosmogonie" title="Kosmogonie">Kosmogonien</a>), in denen stets auch von einer Götterentstehung (<a href="Theogonie" title="Theogonie">Theogonie</a>) die Rede ist.
</p><p>Die theologische Teildisziplin <a href="Nat%C3%BCrliche_Theologie" title="Natürliche Theologie">Natürliche Theologie</a> glaubt, mit Hilfe der natürlichen Vernunft (ohne übernatürliche, göttliche Hilfe, d.&nbsp;h. <a href="Offenbarung" title="Offenbarung">Offenbarung</a>) zu demselben Ergebnis zu kommen: Da alles Seiende kontingent ist, verweise es auf ein <a href="Absolutes" class="mw-redirect" title="Absolutes">Absolutes</a>, mit anderen Worten Gott (<i><a href="Gottesbeweis" title="Gottesbeweis">id quod omnes dicunt deum</a></i> – <a href="Thomas_von_Aquin" title="Thomas von Aquin">Thomas von Aquin</a>). Der <a href="Allmacht" title="Allmacht">allmächtige</a>, vollkommene und absolute Gott ist in allen seinen Akten innerlich und äußerlich vollständig unabhängig; vor seiner Schöpfung <i>ist</i> außer ihm nichts.
</p><p>Die philosophische Gegenposition zur theologischen Annahme einer Schöpfung aus dem Nichts wird oft auf <a href="Melissos" title="Melissos">Melissos</a> zurückgeführt; aber schon <a href="Parmenides" title="Parmenides">Parmenides</a> lehrte:<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<dl><dd>„Auch kann ja die Kraft der Überzeugung niemals einräumen, es könne aus Nichtseiendem irgend etwas anderes als eben Nichtseiendes hervorgehen.“</dd></dl>
<p>Aus diesen Ideen entstand später die Formel <a href="Ex_nihilo_nihil_fit" class="mw-redirect" title="Ex nihilo nihil fit">Ex nihilo nihil fit</a> („aus nichts entsteht nichts“), die sich so oder dem Sinne nach auch bei <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a> (Physik I 4), <a href="Lukrez" title="Lukrez">Lukrez</a>, <a href="Thomas_von_Aquin" title="Thomas von Aquin">Thomas von Aquin</a> und anderen Philosophen findet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Philosophie">Philosophie</h2></div>
<p>In der Philosophie ist die Auseinandersetzung mit dem „Nichts“ im Spannungsverhältnis zum „<a href="Sein" title="Sein">Etwas</a>“ eine ihrer <a href="Grundfrage_der_Philosophie" title="Grundfrage der Philosophie">Grundfragen</a>. Wenn die Welt zeitlich nicht unendlich lange Bestand hat (und danach sieht es aus), dann muss vor ihrem Anfang Nichts gewesen sein. Genau dieser Übergang vom Nichts zum Sein wird in der „Creatio ex nihilo“ thematisiert, allerdings weniger unter dem Blickwinkel möglicher dynamischer Strukturen des Nichts, sondern eher <a href="Metaphysik" title="Metaphysik">metaphysisch</a>: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“
</p><p>Antwortversuche gab es nicht nur in der Antike, sondern auch bei <a href="Gottfried_Wilhelm_Leibniz" title="Gottfried Wilhelm Leibniz">Gottfried Wilhelm Leibniz</a>, <a href="Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling" title="Friedrich Wilhelm Joseph Schelling">Friedrich Wilhelm Joseph Schelling</a>, <a href="Arthur_Schopenhauer" title="Arthur Schopenhauer">Arthur Schopenhauer</a> und vielen anderen, nicht zuletzt auch bei <a href="Martin_Heidegger" title="Martin Heidegger">Martin Heidegger</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Physik">Physik</h2></div>
<p>In der modernen <a href="Kosmologie" title="Kosmologie">Kosmologie</a> stellt die „creatio ex nihilo“ ein wichtiges <a href="Erkenntnistheorie" title="Erkenntnistheorie">epistemologisches</a> Instrument dar. Demnach muss der <a href="Urknall" title="Urknall">Urknall</a> in einer Weise stattgefunden haben, die einerseits ohne Schöpfergott auskommt, also dynamische Strukturen des Nichts (siehe <a href="Vakuumfluktuation" title="Vakuumfluktuation">Vakuumfluktuationen</a>) beschreibt, andererseits alle wesentlichen Bedingungen erzeugt, um eine Evolution des Universums bis heute zu ermöglichen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Gerhard_May_(Theologe)" title="Gerhard May (Theologe)">Gerhard May</a>: <i>Schöpfung aus dem Nichts: Die Entstehung der Lehre von der creatio ex nihilo.</i> De Gruyter, Berlin u.&nbsp;a. 1978, ISBN 3-11-007204-1 (<i><a href="Arbeiten_zur_Kirchengeschichte" title="Arbeiten zur Kirchengeschichte">Arbeiten zur Kirchengeschichte</a>.</i> 48).</li>
<li><a href="Mieke_Mosmuller" title="Mieke Mosmuller">Mieke Mosmuller</a>: <i>Die Schöpfung aus dem Nichts – Kontemplation.</i> Occident Verlag, Baarle-Nassau 2018, ISBN 978-3-946699-08-8.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Oswald Loretz: <i>Schöpfung und Mythos</i>. Stuttgarter Bibelstudien 32. Verlag <a href="Katholisches_Bibelwerk" title="Katholisches Bibelwerk">Katholisches Bibelwerk</a>, Stuttgart 1986, S. 85f</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Parmenides_von_Elea" class="mw-redirect" title="Parmenides von Elea">Parmenides von Elea</a>: Fragmente, Aus <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Parmenides+aus+Elea/Fragmente/Aus%3A+Über+die+Natur">„Über die Natur“, B 8</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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